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Nichts

Du arbeitest nichts.

Als ich fragte, warum ich kein Geld bekäme, antwortete der Amtsmensch,

Du arbeitest nichts.

Du arbeitest nichts…

 

Ich wusste, dass es schwer würde das Nichts zu finden. dass er oder es mir dann eine Bestätigung schreibe und dann käme es… Das Geld vom Amt.

Ich war dauernd da, half anderen und damit mir selbst und das ist ja nicht Nichts. Ich hatte also gearbeitet. Ich hatte also gearbeitet. Ich hatte ja Zeit. Ich bin keine Mörderin und schlage deshalb die Zeit nicht tot. Ich tat sehr viel. Ich wusste vorher nur nicht, dass es eine schriftliche Bestätigung vom Nichts brauchte. Also suchte ich jahrelang nach dem Nichts um mir zu bestätigen, dass ich gearbeitet hatte vielleicht ohne es zu merken.

Ich fragte alle meine Freunde und Kinder, die leergefressen Töpfe, die die Küche belagerten, meine Bilder und Gedichte, meine Lieder und Kämpfe, ja selbst die Hunde und Katzen, die Pflanzen und den Garten, ob sie das Nichts seien.

Immer am Abend dachte ich, morgen finde ich das Nichts… und es war jeden Tag wieder Arbeit da… Genauso wie ich jeden Tag aufwachte. Aber nichts hatten wie alle besser, als keine Zeit um mir vom Amt zu bestätigen, dass ich für Nichts arbeite, denn er oder es war nicht auffindbar.

 

Ich sagte dem Amt es geht mir so:

Ich möchte eigentlich nicht mehr für Nichts arbeiten aber alle meine Freunde haben ökonomische Probleme…

Sie sind aber nicht Nichts, nicht einmal die Blumenstöcke sind nichts und auch ich bin nicht nichts das findet man beim Denken heraus.

Es ist noch schwieriger das Nichts zu kontaktieren als der liebe Gott.

Das Amt meinte darauf sogar schriftlich das sei Schwarzarbeit.

Eigentlich möchte ich wie alle Menschen, dass das Nichts in meinem Portemonnaie seinen Stammplatz hat.

Jetzt habe ich der oder das Nichts endlich gefunden… und dass er oder es dort steckt, liegt daran, dass Nichts unmöglich ist.

Das sollte uns eigentlich genügen kritisch über unsere Eigendummheit der Wohlhabenden nachzudenken.

Aber von Nichts kommt nichts.

Rede von Therese Zindler, 2017